Wände abbauen – Hiob

Mit einem Drama bzw. einer Romanadaptierung in die neue Saison zu starten ist nicht nur ungewöhnlich für das Schauspielhaus, sondern auch mutig. Ein Grund mehr, bereits früh in die Saison einzusteigen. Auch wenn Joseph Roths Hiob in den letzten Jahren vielleicht das eine oder andere mal zu viel auf die Bühne geholt worden ist – aber einen Versuch ist es allemal noch wert!

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Wie Monolithen stehen sie da. Ich spreche nicht von den starr scheinenden Wänden des Bühnenbildes, sondern von den ersten Statements. Das sind keine Dialoge, das sind kalte Felsen in der Landschaft, die sich nicht berühren. Lange kommt kein Gefühl, keine Regung auf – nach und nach gewöhnt man sich an den Duktus, doch so richtig in Fahrt kommt das Stück erst in der zweiten Hälfte.

Das mag auch am Umstand liegen, dass die Geschichte mehr als bekannt ist und die Hinführung zu den dramatischen Szenen fast schon wie eine Pflichtaufgabe wirkt. Im Rückblick ist das Bild mit den starren Wänden und dem unmotivierten Schauspiel durchaus stimmig. Mit dem stückweisen Abbau der Bühnenrückwand und der Erschließung neuer Terretorien bei der Überfahrt nach Amerika öffnet sich auch die Dramaturgie, lässt mehr Freiheiten, mehr Vielfalt zu.

Die Kostüme sprechen eine klare Sprache, wenngleich die Annäherung Deborahs und der Kinder an die neue Umgebung, das „Vaterland“ duraus stärker herausgearbeitet werden könnte. Es ist die Zuspitzung auf Mendel Singer, die im Roman noch etwas weniger störend auffällt und die Georg Reiter phrenetischen Jubel am Ende bescheren wird – wenngleich dies zumindest auch Moritz Grabbe für seinen erschreckend realen Menuchim verdient hätte.

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Durch die realistische Darstellung der Behinderung stach er aus der Inszenierung heraus, die erst mit dem Wandel Mendels Gefühle im Zuschauerraum zu erwecken vermag, dann aber mit all der schauspielerischen und dramaturgischen Finesse. Dass der Auftritt des gewandelten Menuchims nicht abgekürzt wurde, zieht das Ende unnötig in die Länge, letztendlich trösten die Gefühle des zweiten Teiles jedoch über die Schwächen der Inszenierung hinweg.

Cult_Correspondent

Beitragsbilder: Schauspielhaus Salzburg

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