Von „Frauenarsch“ bis „altfadrisch“ – es gibt einen neuen Poetry Slam

Eigentlich wähnte man deren Hochblüte schon vor einigen Jahren wieder vorbei. Dann entstanden doch wieder zahlreiche neue Poetry Slams – auch in der Stadt Salzburg. Das jüngste Exemplar feierte gestern Premiere.

„Das Mädchen, das sich hinter Schatten versteckt wird auf die Bühne gehen – und im Licht bekommt der Schatten ein Gesicht.“ – Helene Ziegler schafft es mit Gestik, dafür ohne Skript, mit erst 15 Jahren ihren ersten Poetry Slam zu gewinnen. Es ist dies die Schattenschlacht, das neue Slam-Format der Stadt. Nachdem der Wortvoll Poetry Slam vor einem Jahr das städtische Monopol der ARGEkultur gebrochen hatte, bedurfte es nun also eines neuen Formats.

Und neu ist nicht nur die Location (Mozartkino), sondern auch die Vortragsart: Hinter einer Schattenwand verbergen sich die AutorInnen und PerformerInnen – das nimmt dem Format das Szenische, kompensiert das aber mit einer größeren Fairness durch die Konzentration auf die Stimme. Mit etwas mehr Mut hätte man im Finale nicht darauf verzichten müssen – aber da isses dann auch schon egal.

Helene Ziegler teilt mit den anderen beiden Finalistinnen nämlich nicht nur Geschlecht, sondern auch ihre Jugend: Die Präferenz des Publikums war auf jeden Fall erkennbar. Achja, Publikum: Die überwiegende Mehrheit war einer anfänglichen Abstimmung zufolge noch nie auf einem Slam – erstaunlich. Und auch für die meisten der 8 TeilnehmerInnen war es das erste Mal. Dies machte sich leider in qualitativen und stilistischen Unterschieden zwischen der „Frauenarsch“- und Holocaust-Lyrik eines Alain Wafelmann und dem Kabarett des DJs Felix Kaden bemerkbar.

Dass die empfindsame und einfühlsame Prosa einer Anja aus Salzburg in diesem Format untergehen muss, liegt auf der Hand – dass es das Kabarett mit verteilten Rollen von Max Liedek auch nicht ins Finale geschafft hat, verwundert dann aber doch. Und auch wenn der beste Text der Vorrunde wohl von Judith Klammsteiner kam (danke für die reanimierung des Wortes „altfadrisch“), bildete sie mit Helene Ziegler und Sophie Zauner, die ihr Alter auch gleich in einem Text verarbeitete, ein harmonisches Schlussbild.

Es wird wieder Schattenschlachten geben. Wohl auch wegen der 170 BesucherInnen im Mozartkino. Und bis dahin wird der sonst so wortgewandte und selbstbewusste Lukas Wagner als Veranstalter auch die Anfangsnervosität abgelegt haben. Wenn sich dann auch noch die Qualität der Beiträge an jene des DJ’s angleicht, steht der Missionsarbeit für mehr Slam in der Stadt nichts mehr im Wege.

Cult_Correspondent

Beitragsbilder: Schattenschlacht Salzburg

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s